Ernst Waegener: Tanzender Faun


Ernst Waegener wurde am 1. Juni 1854 als Sohn eines Zimmermanns in Gehrden bei Hannover geboren. Nach dem Besuch der BĂŒrgerschule arbeitet er vier Jahre in einem Bildhaueratelier, anschließend ging er an die Kunstschule in Karlsruhe, wo er bei Professor SteinhĂ€user (1813-1879) lernte. 1875 kam er mit einem Stipendium an die Berliner Akademie, seit 1878 studierte er im Meisteratelier von Reinhold Begas (1831-1911). Nach einem Romstipendium in den Jahren 1881 – 1883 ließ Waegener sich in Berlin nieder. Seine bedeutendsten Arbeiten sind die Statue der Hannovera fĂŒr das Rathaus Hannover (1893), das Goethe-Denkmal fĂŒr Straßburg (1904 eingeweiht), und das Martin-Luther Denkmal fĂŒr die DorotheenstĂ€dtische Kirche in Berlin (1909). 1904 wurde er mit dem Professorentitel ausgezeichnet. Ernst Waegener ist am 23. September 1920 in Berlin verstorben.


Modell des Tanzenden Faun

Im Kunstgussmuseum befindet sich das 81,5cm große Gipsmodell eines Tanzenden Fauns. Es ist an der RĂŒckseite der Plinthe signiert mit „E. Waegener. 1920“.


Abb. 1: Modell des Tanzenden Faun
(Foto: Tino Winkelmann, 2019)

Dargestellt ist eine jugendliche, unbekleidete mĂ€nnliche Figur, die durch die beiden kleinen Hörnchen auf dem Kopf, die Beine mit Ziegenfell und BocksfĂŒĂŸen als Faun charakterisiert ist. Er tanzt mit hoch erhobenem linken Arm um die eigene Körperachse. Laut der Signatur ist das Modell 1920 entstanden, also erst kurz vor dem Tod von Waegener.

Bereits in den 1880er und 1890er Jahren hatte Waegener sich mit Ă€hnlichen Darstellungen beschĂ€ftigt. So prĂ€sentierte er 1884 auf der Berliner Akademieausstellung einen „Jugendlichen Pan“, auf der „Internationalen Kunstausstellung und MĂŒnchner JubilĂ€umsausstellung“ 1888 einen weiteren „Pan“ und auf der „Deutschen Kunstausstellung der Berliner Secession“, 1899 den „Pan mit Flöte“, von dem sich ein Modell im Kunstgussmuseum befindet.

Das Modell ist nach dem Tod des Bildhauers am 15. Juni 1921 in der GrĂ¶ĂŸe 62,5cm (bis Kopf) von der Gießerei angekauft worden. Erworben wurde das „alleinige Vertriebs- und VervielfĂ€ltigungsrecht“ fĂŒr eine einmalige Zahlung in Höhe von 2000 Mark.

In den Bildguss-Katalogen wurde der Faun ĂŒber einen Zeitraum von 10 Jahren, 1923 bis 1933, in der GrĂ¶ĂŸe 63cm (Kopfhöhe) angeboten.


Abb. 2: Abbildung des Tanzenden Fauns im Lauchhammer Bildguss-Katalog 1927
(Lauchhammer Bildguss-Katalog, Gs 3, 1927, S. 104)

Bis 1938 sind sieben VerkĂ€ufe der Bronze ĂŒberliefert. Im Kunsthandel sind ausschließlich moderne AbgĂŒsse der Gießerei Lauchhammer aus dem Jahr 2003 zu finden (bezeichnet z.B. mit “LR 1/7 2003“).


Der Faun / Pan

Die Figur des Faun ist der römischen Mythologie entlehnt. Das Mischwesen, halb Mensch, halb Ziege, war ein altrömischer Waldgeist oder Gott des Waldes, aber auch der Gott der freien Natur, der BeschĂŒtzer der Bauern und Hirten, des Viehs und der Äcker. In der griechischen Mythologie entspricht ihm der Hirtengott Pan, der mit identischen Attributen dargestellt wurde.

Nicola Vösgen