Nicola V├Âsgen

Ernst Waegener: Goethe Statuette


Ernst Waegener wurde am 1. Juni 1854 als Sohn eines Zimmermanns in Gehrden bei Hannover geboren. Nach dem Besuch der B├╝rgerschule arbeitet er vier Jahre in einem Bildhaueratelier, anschlie├čend ging er an die Kunstschule in Karlsruhe, wo er bei Professor Steinh├Ąuser lernte. 1875 kam er mit einem Stipendium an die Berliner Akademie, seit 1878 studierte er im Meisteratelier von Reinhold Begas (1831-1911). Nach einem Romstipendium in den Jahren 1881 – 1883 lie├č Waegener sich in Berlin nieder. Seine bedeutendsten Arbeiten waren neben dem Goethe-Denkmal f├╝r Stra├čburg die Statue der Hannovera f├╝r das Rathaus Hannover, ein Jugendlicher Pan f├╝r das Rathaus Osnabr├╝ck und ein Martin-Luther Denkmal f├╝r die Dorotheenst├Ądtische Kirche in Berlin. 1904 wurde er mit dem Professorentitel ausgezeichnet. Ernst Waegener ist am 23. September 1920 in Berlin verstorben.


Zwei Modelle von Goethe im Kunstgussmuseum

 

Im Kunstgussmuseum befinden sich zwei Gips-Modelle einer Statuette von Johann Wolfgang von Goethe. Das gr├Â├čere Modell hat eine Gr├Â├če von 74cm, das kleinere misst 35cm. Bei den Statuetten handelt es sich um die Mittelfigur Goethes von dem Stra├čburger Goethe-Denkmal.

 


Abb. 1: Modell der Goethe-Statuette im Kunstgussmuseum
(Foto: Tino Winkelmann, KGML, 2018)

 

Die Gie├čerei Lauchhammer hatte am 14.06.1917 das Modell einer ÔÇ×G├Âthe-FigurÔÇť in der Gr├Â├če 150cm, zusammen mit zwei weiteren Modellen von Waegener, angekauft. In der Lizenzvereinbarung ist festgehalten, dass die Gie├čerei neben dem alleinigen Vertriebs- und Vervielf├Ąltigungsrecht auch das Recht erworben hatte ÔÇ×uns auf eigene Kosten Verkleinerungen und Vergr├Â├čerungen selbst herzustellenÔÇť. Das einmalige Honorar an den Bildhauer betrug 800,- Mark.

 

Abb. 2: Bronzeguss der Goethe-Statuette
(Foto: Archiv Kunstgussmuseum)

 

In den Bildguss-Katalogen der Gie├čerei ist die Goethe-Statuette 1927 nur in der Gr├Â├če 31,5cm, in den Jahren 1929 bis 1938 in den Gr├Â├čen 31,5cm und 150cm angeboten. Anhand der erhaltenen Unterlagen der Gie├čerei sind keine Verk├Ąufe der gro├čen Ausf├╝hrung nachweisbar, auch das kleinere Exemplar wurde bis 1932 nur f├╝nf Mal verkauft.

 


 

Goethe-Denkmal in Stra├čburg

 

Anl├Ąsslich des 150. Geburtstages von Johann Wolfgang von Goethe (28.08.1749 – 22.03.1832) begann die Stadt Strassburg 1899 mit Planungen f├╝r die Errichtung eines Goethe-Denkmals. Es gab ein Preisausschreiben f├╝r ein „Standbild des jungen Goethe in Strassburg“, da der Dichter vom April 1770 bis August 1771 drei Semester seiner Studienzeit in Stra├čburg verbracht hatte. Unter den 71 eingereichten Entw├╝rfen wurde der des Bildhauers Ernst Waegener 1900 mit dem Ersten Preis ausgezeichnet. Nach einigen ├ťberarbeitungen wurde ihm Ende 1900 auch die Ausf├╝hrung des Denkmals ├╝bertragen. Das 1903 in Lauchhammer gegossene Denkmal wurde am 1. Mai 1904 enth├╝llt.

Die sich ├╝ber vier Stufen erhebende Denkmalsanlage auf dem Stra├čburger Universit├Ątsplatz wird seitlich von den Statuen einer lyrischen und einer tragischen Muse flankiert. Im Zentrum steht der junge Goethe in zeitgen├Âssischer Tracht, die rechte Hand auf einen Wanderstab gest├╝tzt, mit der Linken seinen Mantel hinter dem R├╝cken haltend. Das Standbild steht auf einem in Marmor ausgef├╝hrten Empirepostament, die seitlichen Bronzereliefs zeigen Szenen aus Goethes Leben.

 

Abb. 4: Das Goethedenkmal in Stra├čburg, Ansichtskarte um 1905
(Foto: CC BY-SA 3.0 FR, http://www.archi-wiki.org, Place de l‘ Universit├ę Strasbourg 72356)