Nicola Vösgen

Richard Schipke: Kämpfende Elefanten


Richard Schipke wurde am 31. Juli 1874 in Radomierzyce (Radmeritz, Niederschlesien) geboren. Er lernte die Bildhauerei im Atelier des bekannten Breslauer Bildhauers Christian Behrens. Seit April 1904 leitete er an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Breslau die Abteilung ‚ÄěAngewandte Bildhauerei. Werkstatt f√ľr Modellieren‚Äú. Um 1920 ist Schipke zum Professor ernannt worden.
Von ihm stammen Fassadenplastiken, v.a. in Breslau, Tierfiguren in Bronze und Holz sowie Grabmale und Portraits. Schipke verstarb am 27. Oktober 1932 in Breslau/WrocŇāaw.


Die ‚ÄěK√§mpfenden Elefanten‚Äú im Kunstgussmuseum

 

Im Kunstgussmuseum haben sich von Rudolf Schipke zwei Gipsmodelle der Gruppe ‚ÄěK√§mpfende Elefanten‚Äú in unterschiedlichen Gr√∂√üen erhalten.

Das gr√∂√üere Modell ist 65cm hoch und besteht aus drei Teilen: der Sockel ist mittig geteilt, der erhobene R√ľssel des einen Elefanten ist als separates Einzelteil gearbeitet. Der Sockelbereich ist leicht angesto√üen, die Sto√üz√§hne der Elefanten sind verloren.

 

Abb. 1: Das gro√üe Gipsmodell der ‚ÄěK√§mpfenden Elefanten‚Äú von Richard Schipke
(Foto: Tino Winkelmann, KGML, 2018)

 

Das kleinere Modell ist nur 33,5cm hoch. Dieses ist vollst√§ndig erhalten und vermittelt deshalb anschaulicher den gew√ľnschten Gesamteindruck der miteinander k√§mpfenden Elefanten, die mit hocherhobenem R√ľssel und vorgestrecktem Bein aufeinander losgehen, um einen Revierkampf auszutragen.

 

Abb. 2: Das kleinere Gipsmodell der ‚ÄěK√§mpfenden Elefanten‚Äú von Richard Schipke
(Foto: Tino Winkelmann, KGML, 2018)

 

Beide Gipsmodelle sind an der L√§ngsseite des Sockels signiert mit ‚ÄěProf ‚ÄĘ R ‚ÄĘ Schipke ‚ÄĘ1923‚Äú. Die Kunstgie√üerei Lauchhammer hat das gro√üe Modell im darauffolgenden Jahr, am 13. Mai 1924, angekauft, Ende desselben Jahres wurde eine Verkleinerung hergestellt. Laut der Lizenzvereinbarung besa√ü die Gie√üerei ‚Äědas alleinige Vertriebs- und Vervielf√§ltigungsrecht f√ľr alle Metalle und Gr√∂√üen‚Äú.

In den Katalogen der Gießerei war die Elefantengruppe in den Jahren 1929 und 1933 in beiden Größen angeboten. Dies ist die einzige Arbeit mit der Richard Schipke in den Lauchhammer Bildguss-Katalogen vertreten ist.

Bereits die gro√üe Anzahl der erhalten Tiermodelle im Kunstgussmuseum spricht f√ľr die gro√üe Popularit√§t von Tierdarstellungen in dieser Zeit. In dem Katalog von 1933 beispielsweise sind insgesamt 115 Tiergruppen abgebildet, darunter allein neun Darstellungen von Elefanten, einschlie√ülich der Elefantengruppe von Schipke.

 

Abb. 3: Eine Seite aus dem Bildguss-Katalog von 1933 mit sieben Elefanten, einschlie√ülich der ‚ÄěK√§mpfenden Elefanten‚Äú
(Foto: Lauchhammer Bildguss-Katalog, 1933, S. 104f.)

 

Die im Kunstgussmuseum erhaltenen Unterlagen der Gießerei dokumentieren 5 Verkäufe der größere Gruppe in den Jahren 1924 bis 1929 sowie 10 Verkäufe der kleineren Gruppe in den Jahren bis 1937.

Die bronzene Elefantengruppe ist nur selten Im Kunsthandel zu finden. Eines der wenigen Exemplare ist 2017 im Auktionshaus Wendl (Rudolstadt/Th√ľringen) verkauft worden.

Vereinzelt werden auch weitere Bronzearbeiten von Richard Schipke, die alle den Lauchhammerstempel tragen, in den Auktionshäusern angeboten. Vermutlich handelt es sich hierbei um Arbeiten, die als einmalige Auftragsarbeit gegossen wurden, an denen die Gießerei jedoch keine weiteren Verkaufsrechte erworben hatte.