Friedrich Pfannschmidt: Paul-Gerhardt-Denkmal,

LĂŒbben


Friedrich Pfannschmidt wurde 1864 in Berlin als Sohn des Malers Carl Gottfried Pfannschmidt geboren. Sein Vater hatte hohes Ansehen auf dem Gebiet der religiösen Malerei erlangt, was großen Einfluss auf den Werdegang des Sohnes hatte. Nach einer Ausbildung an der Kunstschule von 1878 bis 1880 wechselte er zur Berliner Kunstakademie, die er bis 1884 besuchte. Er war MeisterschĂŒler bei Albert Wolff und Fritz Schaper. SpĂ€ter arbeitete Pfannschmidt auch bei Johannes Schilling in Dresden. Ab 1900 unterhielt er ein eigenes Atelier mit drei Mitarbeitern in Berlin. Er schuf vorrangig religiöse Bildwerke und PortrĂ€tbĂŒsten. Friedrich Pfannschmidt fiel 1914 im Ersten Weltkrieg in ChĂąlons-en-Champagne in Frankreich.

 


Das Paul-Gerhardt-Denkmal

Das Denkmal wurde zu Ehren des bedeutenden Kirchenlieddichters Paul Gerhardt errichtet, der im damals sĂ€chsischen LĂŒbben seine letzten Lebensjahre verbrachte. Es befindet sich vor der heutigen Paul-Gerhardt-Kirche in LĂŒbben, welche seit 1930 diesen Namen trĂ€gt. Nach erfolgreichem Guss in Lauchhammer wurde das Denkmal am 27. Juni 1907 eingeweiht. Die ĂŒberlebensgroße Bronzefigur steht auf einem leicht konisch zulaufenden Sockel aus Naturstein mit quadratischem Grundriss. An den oberen Ecken sind stilisierte Menschen und Tierköpfe mit FlĂŒgeln aus dem Stein gearbeitet, die Vorderseite ziert eine Lyra, welche von feinem Blattwerk umgeben ist, sowie der Schriftzug „Paul Gerhardt“. Das Postament ist nochmals von einer Einfassung aus Naturstein umgeben.

 

Paul-Gerhardt-Denkmal; historische Postkarte um 1920, Stiftung Kunstgussmuseum Lauchhammer, Archiv

 

Paul Gerhardt steht aufrecht, in etwas gedrehter bewegter Haltung, mit dem rechten Bein vorn. Seinen rechten Arm hĂ€lt er frei neben dem Körper, die Hand ist in anmutiger Geste geformt. Seine linke Hand hĂ€lt ein aufgeschlagenes Notenbuch. Er scheint dies dem Betrachter zeigen zu wollen oder zu rezitieren, was auch die Haltung des Kopfes, der etwas schrĂ€g nach vorn geneigt ist, unterstĂŒtzt. Paul Gerhardt ist mit langem gelocktem Haar und einem KĂ€ppchen dargestellt. Er trĂ€gt ĂŒber einem mit Schnallen und Knöpfen verzierten Unterkleid, knielangen Beinkleidern und Schnallenschuhen einen langen Talar mit Beffchen. Hinter ihm befindet sich ein zerbrochenes Kanonenrohr und eine Getreidepflanze. 

Das Denkmal in LĂŒbben ist der erste Guss nach dem Modell von Pfannschmidt. Es existiert eine Kopie aus Stein nach dem LĂŒbbener Vorbild in GrĂ€fenhainichen, der Geburtsstadt Gerhardts. Es wurde 1911 eingeweiht. Weiterhin gibt es eine Kopie im Paul-Gerhardt -Stift in Berlin. Friedrich Pfannschmidt selbst soll sie 1909 nach dem Modell fĂŒr LĂŒbben angefertigt haben. Seit 2001 gibt es eine weitere Kopie an der WirkungsstĂ€tte Paul Gerhardts in Mittenwalde. Dieser liegt die Plastik im Paul-Gerhardt-Stift zugrunde. Der EhrenbĂŒrger von Mittenwalde Dr. Karl-Heinz Drogula hat sie der Stadt gestiftet. Sie wurde in Berlin-Friedenau in der Bildgießerei Noack gegossen.

 

Paul-Gerhardt-Denkmal vor der Auslieferung; Foto: Stiftung Kunstgussmuseum Lauchhammer, Archiv

 


Paul Gerhardt

Paul Gerhardt; Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert, Bildersammlung des evangelischen Predigerseminars Wittenberg

Paul Gerhardt wurde 1607 in GrĂ€fenhainichen geboren. Er war evangelisch-lutherischer Theologe und einer der bedeutendsten deutschen Kirchenlieddichter. Johann Sebastian Bach vertonte seine Texte, einige wurden sogar im Weihnachtsoratorium verarbeitet. Gerhardt lernte an der FĂŒrstenschule St. Augustin in Grimma und studierte anschließend Theologie in Wittenberg. Nach Ende des Studiums 1643 zog er nach Berlin. Er begann Texte und Lieder zu verfassen. Von 1651 bis 1657 wirkte er in Mittenwalde, kehrte aber dann nach Berlin zurĂŒck. Wegen Unstimmigkeiten zwischen dem brandenburgischen KurfĂŒrsten Johann Sigismund und den Lutheranern trat er von seinem Amt zurĂŒck. Erste Drucke seiner Kirchenlieder erschienen 1667. 1668 trat er das Amt des Pfarrers in LĂŒbben an, verbrachte dort seine letzten Lebensjahre und starb 1676 mit siebzig Jahren ebenda. Er wurde in der Kirche Sankt Nikolai, der heutigen Paul-Gerhardt-Kirche beigesetzt.


Antje BrÀuer