Otto Lang: Denkmal Li hung-chang, Shanghai

Otto Lang wurde am 5. September 1855 als Sohn des Bildschnitzers Sebastian Lang geboren. Er besuchte die Kunstgewerbeschule in NĂŒrnberg und die Kunstakademie in MĂŒnchen. 1877 bis 1880 studierte er bei Rudolf Siemering in Berlin. 1880 fĂŒhrte ihn eine Studienreise nach Rom, nach seiner RĂŒckkehr ließ er sich 1883 in MĂŒnchen nieder. Otto Lang starb 1928.


 

Denkmal Li-hung-chang, Shanghai

 

Historical Photographs of China; collection: John Sullivan; reference no.: Su01-48; ©2010 John Sullivan

 

Bereits seit 1870 unterhielt Krupp geschĂ€ftliche Beziehungen zu China. Seit 1873 war Li hung-chang Hauptabnehmer von RĂŒstungserzeugnissen. Es wurden Kanonen und Gewehre geliefert. Um den chinesischen Markt fĂŒr sich zu erschließen und die Konkurrenz auszuschalten, kalkulierte Krupp so niedrig, dass die RĂŒstungsgeschĂ€fte zum Verlust wurden. Eine Monopolstellung konnte er nicht erreichen.

Nach China wurden nicht nur Waffen exportiert, sondern auch Offiziere und Unteroffiziere aus Preußen angeworben. 1885 wurde in Tientsin eine MilitĂ€rschule gegrĂŒndet, an der deutsche MilitĂ€rs unterrichteten. Sie existierte bis 1900. (1904 wurde in Lauchhammer fĂŒr Tientsin   eine „Ritterfigur mit Adler und Wappen“ von Professor von Uechtritz gegossen.)

1896 unternimmt Li hung-chang eine Weltreise und trifft in Deutschland auch Friedrich Alfred Krupp. Sie besichtigten u.a. gemeinsam die Gruson-Werke bei Magdeburg, die Krupp 1893 erworben hatte.

Krupp wiederum war mit dem Unternehmer Gustav Hartmann befreundet, welcher im Vorstand der Dresdner Bank und im Vorstand der Lauchhammer AG war. Die sehr enge geschĂ€ftliche wie auch private Freundschaft wurde durch die Heirat Krupps mit Margarethe von Ende auch eine familiĂ€re Beziehung. Aus dieser Freundschaft resultiert möglicherweise die Auftragsvergabe zur Herstellung des Grabmals fĂŒr Friedrich Alfred Krupp, der 1902 frĂŒh verstarb. Es wurde von Otto Lang gestaltet und 1905 in Lauchhammer gegossen. Gustav Hartmann wurde als Testamentsvollstrecker eingesetzt und von den AktionĂ€ren der Friedrich Krupp AG Essen 1903 zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewĂ€hlt.

Auch die in Lauchhammer gegossene Statue Friedrich Alfred Krupps fĂŒr Essen 1907 und die BĂŒste fĂŒr Aachen 1908, beide von Professor Hugo Lederer, können so als AuftrĂ€ge nach Lauchhammer gekommen sein. Ob auch das Kriegerdenkmal fĂŒr Tientsin auf diese Verbindung zurĂŒckzufĂŒhren ist, bleibt offen. Im Jahre 1904 in Lauchhammer gegossen und 1905 in Tientsin enthĂŒllt, stellt das Denkmal einen Ritter mit Schild und Adler dar. Es sollte wohl ein Symbol fĂŒr den Triumph Deutschlands bei der Niederschlagung des Boxeraufstandes 1900 sein. Das Denkmal ist nicht erhalten.

Otto Lang wird gelegentlich als „Hofbildhauer“ der Familie Krupp bezeichnet. Eine besondere Vorliebe fĂŒr diesen Bildhauer ist möglich, aber nicht belegbar. Otto Lang gestaltete im Auftrag der Firma Krupp das Denkmal als Geschenk fĂŒr den einflussreichen und bedeutenden chinesischen GeschĂ€ftspartner. Das Denkmal wurde laut Archiv der Stiftung Kunstgussmuseum 1896 in Lauchhammer gegossen. Ob es ihm bei seinem Besuch in Deutschland bereits prĂ€sentiert wurde? Seinen Aufstellungsort findet es 1906 (kann auch 1901 sein) in Shanghai, Bezirk Zikawei im Garten des GedĂ€chtnistempels fĂŒr Li hung-chang.

Auf alten Postkarten befindet sich die Angabe, dass der Aufstellungsort in der Bubbling Well Road war, was allerdings falsch zu sein scheint, denn das Denkmal befand sich auf chinesischem Territorium und nicht im internationalen Distrikt.

 

Wikimedia Commons; „Li hung-chang with Lord Salisbury and Lord Curzon“; veröffentlicht: 1913; Quelle: William Francis Mannix: Memoirs of Li hung-chang; Autor: W.& D. Downey

Ein Foto wĂ€hrend seiner Weltreise zeigt Li hung-chang im traditionellen Gewand der Qing-Dynastie mit Kappe und Brokatumhang. Dieses Foto kommt der Gestaltung Langs sehr nahe und hat ihm möglicherweise als Vorlage gedient. Die 3 Meter hohe Statue steht auf einem Sockel mit quadratischer GrundflĂ€che, an dem sich eine Inschriftentafel mit chinesischen Schriftzeichen befindet. Die Tafel ist von Rocaillen umrahmt. Die Anlage ist von einem ornamentierten Zaun umgeben, der möglicherweise ebenfalls gegossen ist. Lang arbeitete die OberflĂ€chenstruktur des Brokats sehr detailgetreu heraus, der Glanz und die Stickereien sind fĂŒr das Auge „fĂŒhlbar“. Li hung-chang steht frontal, das linke Bein schreitet voran, er schaut ernst und ruhig geradeaus. Sein rechter Arm ist in die Taille gestĂŒtzt, die Hand des linken Arms umfasst ein Schwert. Insgesamt charakterisiert das Denkmal Li hung-chang als einen Mann der Tat, der seinem GegenĂŒber offen und mutig entgegentritt.

 

Denkmal Li hung-chang; Foto: Stiftung Kunstgussmuseum Lauchhammer

 

Das Monument stand etwa bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Sein Verbleib ist ungeklÀrt.

 


 

Li hung-chang (auch Li Hongzhang), Politiker, General und Diplomat der spÀten Quing-Dynastie

Li hung-chang wurde am 15.Februar 1823 in Qunzhi, Provinz Anhui geboren und starb am 7. November 1901 in Peking. Seine Kindheit verbrachte er auf dem Lande und schlug nach einem Studium die MilitĂ€rlaufbahn ein. Er war nach der Niederschlagung des Taiping-Aufstandes der wichtigste außenpolitische Vertreter Chinas und galt als Neuerer und Förderer der deutsch-chinesischen Beziehungen. 1870 wurde er Gouverneur der Provinz Zhili. 1895 machte man ihn fĂŒr die Niederlage Chinas im ersten Japanisch-chinesischen-Krieg verantwortlich und entließ ihn.

Antje BrÀuer