Nicola Vösgen

Franz Dorrenbach: Eine Mutter


Der Bildhauer Franz Dorrenbach (11.02.1870, DĂŒsseldorf – 02.11.1943, Berlin) besuchte zunĂ€chst die Kunstgewerbeschule in DĂŒsseldorf, um 1901 war er in Köln tĂ€tig. 1902 zog er nach Berlin, wo er an der Akademie der KĂŒnste bei Ernst Herter studierte. Seine bekanntesten Arbeiten waren das Marmorstandbild der Kaiserin Augusta in Köln (1903), ein Reiterstandbild Wilhelms I. in Berlin-Spandau, das 1908 in Lauchhammer gegossen wurde (zerstört) und ein Reiterstandbild Friedrichs III. in Metz (1909). Neben der Schaffung von DenkmĂ€lern war er auch fĂŒr seine Darstellungen weiblicher Figuren bekannt. 1913 wurde er mit dem Professorentitel ausgezeichnet.


Das Gipsmodell der Gruppe „Eine Mutter“ im Kunstgussmuseum

 

Im Kunstgussmuseum Lauchhammer befindet sich ein 51cm hohes Gipsmodell der Gruppe „Eine Mutter“, das an der SockelrĂŒckseite mit „Dorrenbach“ bezeichnet ist.

 


Abb. 1: Das Gipsmodell der Gruppe „Eine Mutter“ im Kunstgussmuseum
(Foto: Tino Winkelmann, KGML, 2018)


Zur Geschichte der Gruppe

 

Ein Atelierfoto von 1907 belegt, dass zu diesem Zeitpunkt die AusfĂŒhrung des Modells der Gruppe fast fertig gestellt war.

 

Abb. 2: Franz Dorrenbach in seinem Atelier mit dem lebensgroßen Modell der Gruppe

(Foto: Grete Dorrenbach, in: Die Kunst in der Photographie 1907, IV. Lieferung)


Die lebensgroße MarmorausfĂŒhrung der Gruppe „Eine Mutter“ war erstmals 1907 auf der Großen Berliner Kunstausstellung und dort nochmals im Jahr 1909 zu sehen.

 


Abb. 3: Marmorgruppe „Eine Mutter“ auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1907
(Foto: Katalog der Großen Berliner Kunstausstellung, Berlin 1907, Taf. 155)


Sowohl auf dem Pariser »Salon des Artistes Francais« 1910, wie auch auf der Wiener Jahresausstellung 1912 ist die Gruppe „Eine Mutter“ mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet worden.


MarmorausfĂŒhrung in DĂŒsseldorf

Vermutlich war es diese erste lebensgroße Marmor-AusfĂŒhrung der Gruppe, die der preußische Kultusminister 1915 der Stadt DĂŒsseldorf, dem Geburtsort des KĂŒnstlers, als Geschenk ĂŒbergab. Sie befand sich zunĂ€chst im Kunstmuseum DĂŒsseldorf. Seit 1977 ist die Gruppe im Malkastenpark an der Jacobistraße im Zentrum von DĂŒsseldorf aufgestellt.

 


Abb. 4: Die Gruppe „Eine Mutter“ im Malkastenpark DĂŒsseldorf
(Foto: Kunstpalast DĂŒsseldorf, Inv.-Nr. 0.1967.3)


MarmorausfĂŒhrung in Hamburg

Eine weitere lebensgroße AusfĂŒhrung der Gruppe befindet sich auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. Diese zweite MarmorausfĂŒhrung wurde 1923 fĂŒr das Grabmal des bereits 1892 an der Cholera verstorbenen 2 Âœ jĂ€hrigen Max Rudolf Wilhelm Rieck, einem Sohn des Hamburger Industriellen, Kakao-Fabrikanten und Verlegers Max Rieck, geschaffen. Formal handelt es sich um dieselbe Gruppe, jedoch gibt es leichte VerĂ€nderungen: abgesehen von dem hier quadratisch gestalteten Sockel trĂ€gt z.B. die Mutter ein Tuch um die HĂŒften und die Fußstellung des Knaben ist eine andere.


Abb. 5: Die Marmorgruppe auf dem Grabmal Rieck, Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg
(Foto: Christine Behrens, Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V., 20.05.2017)


Die Bronzegruppe in Lauchhammer

Die Gießerei Lauchhammer erwarb am 21. Mai 1921 die alleinigen Vertriebsrechte der „Verkleinerung der Marmorplastik“ in einer GrĂ¶ĂŸe von 51cm unter der Modellnummer 1278 „auf die Dauer von 15 Jahren“. In der Lizenzvereinbarung ist der Hinweis zu finden, dass „Das StĂŒck nicht nach dem Rheinland verkauft werden [darf]“ – diese EinschrĂ€nkung wurde sicherlich wegen der bereits in DĂŒsseldorf befindlichen Gruppe aufgenommen.

 

In den Bildguss-Katalogen der Gießerei ist die Gruppe in einer GrĂ¶ĂŸe von 51cm in den Jahren 1929, 1933 und 1938 abgebildet.


Abb. 6: Abbildung der Gruppe „Eine Mutter“ im Lauchhammer Bildguss Katalog 1929
(Lauchhammer Bildguss Gs5, 1929, S. 103)

Laut den erhaltenen Unterlagen der Gießerei sind in den Jahren 1922 bis 1937 insgesamt 18 AbgĂŒsse der Gruppe verkauft worden. In der Lizenzvereinbarung war festgelegt worden, dass die einzelnen AbgĂŒsse mit fortlaufenden Nummern versehen werden sollten. Bei den heute im Kunsthandel angebotenen Bronze-Gruppen der „Mutter“ ist diese fortlaufende Nummerierung nicht vermerkt. Da diese Gruppen jedoch alle eine identische GrĂ¶ĂŸe von 51cm aufweisen, werden sie trotz fehlender Angabe aus der Gießerei Lauchhammer stammen.