Robert Diez: Drachentöter-Denkmal,

PĂ¶ĂŸneck


Robert Diez wurde 1844 in PĂ¶ĂŸneck als Sohn des BĂŒrgermeisters geboren. Seit 1863 besuchte er die Dresdener Akademie und arbeitete ab 1867 im Atelier von Johannes Schilling. Ab 1873 hatte er ein eigenes Atelier in Dresden, reiste zu Studienzwecken nach Paris und Italien. 1881 wurde er Ehrenmitglied der Dresdener Akademie und nach dem Tod Ernst HĂ€hnels im Jahre 1891 ĂŒbernahm er das Meisteratelier fĂŒr Plastik. 1912 wurde er zum Geheimen Rat ernannt. Mit seinen Arbeiten löste sich Robert Diez vom noch vorherrschenden Klassizismus und wurde einer der ersten Bildhauer des Realismus. Mit seinen Arbeiten konnte er große Erfolge im In- und Ausland erzielen. Zahlreiche DenkmĂ€ler, Brunnen und PortrĂ€tbĂŒsten gehören zu seinem umfangreichen und sehr anerkannten Werk. Er arbeitete in Gips, Bronze, Holz und Stein und versuchte sich auch auf dem Gebiet der Polychromie. Robert Diez starb 1922 in Dresden-Loschwitz.


Das Drachentöter-Denkmal

Das Kriegerehrenmal sollte an die ReichsgrĂŒndung und den Deutsch-Französischen Krieg von 1870 bis 1871 erinnern und wurde mit Spenden finanziert. FĂŒr die Gestaltung konnte der bekannte „Sohn der Stadt“ Robert Diez gewonnen werden. Das Denkmal wurde schon 1914 in Lauchhammer gegossen und laut der Eintragung im Bildguss-Katalog dafĂŒr eine VergrĂ¶ĂŸerung von einem kleineren Modell des Bildhauers angefertigt, doch konnte es erst 1919 eingeweiht werden. Es befand sich an der Ecke Dr.-Wilhelm-KĂŒlz-Straße/Bahnhofstrasse an der Gottesackerkirche.

Kriegerehrenmal „Drachentöter“, historische Postkarte, Stiftung Kunstgussmuseum Lauchammer, Archiv

 

Das Denkmal war aus Kalkstein gearbeitet. Es hatte einen senkrecht aufstrebenden flachen Mittelteil mit einer abschließenden Dachform. An seiner Vorderseite befand sich die bronzene Figur des Erzengels Michael als Halbplastik. Auch nur „Engel“ oder „Siegfried aus der Nibelungensage“ sind als Interpretation der Figur genutzt worden. Michael hatte gelocktes Haar, er trug eine Kappe und ein fließendes Gewand, welches den muskulös geformten Körper bis zu den Knien umspielte. Er hielt in beiden HĂ€nden einen Speer, den er krĂ€ftig umfasste, um ihn in den Rachen des Drachens zu stoßen, welcher sich ihm zu FĂŒĂŸen windete. Der Drache hatte einen Echsenkopf und einen krĂ€ftigen Rumpf mit stark und krĂ€ftig ausgearbeiteten KrallenfĂŒssen und FlĂŒgeln. Da die Figur EngelsflĂŒgel trug, ist es unwahrscheinlich, dass Robert Diez den Drachentöter Siegfried darstellen wollte. Unter der Bronze befand sich der Schriftzug „Unseren Helden“ in Stein gemeißelt. Zu beiden Seiten schloss sich eine Balustrade mit wappenĂ€hnlichen Formen an, auf welchen links die Jahreszahlen des Deutsch-Französischen Krieges 1870 bis 1871 eingemeißelt waren und rechts die des Ersten Weltkrieges 1914 bis 1918. Die Anlage wurde beidseitig von zwei runden SĂ€ulen abgeschlossen, zwei Stufen bildeten den unteren Abschluss der Gesamtanlage. Auf der RĂŒckseite des Denkmals befand sich eine Pieta aus Stein.

Im Nationalsozialismus wurde das Denkmal rege genutzt.  Es wurden sogar Mahnwachen aufgestellt. 1945 rammte ein GeschĂŒtzwagen der Wehrmacht das Denkmal, der Schaden wurde unverzĂŒglich repariert. Doch schon 1946 wurde es erneut beschĂ€digt, dann wurde das Denkmal abgerissen. Die Pieta fand einen neuen Platz auf dem Friedhof, auch die Stufen wurden wieder verwendet. Doch die Bronzeplastik ist verschollen. Wann sie genau abmontiert wurde, ob sie eingeschmolzen wurde oder sogar noch existiert, beschĂ€ftigt noch heute PĂ¶ĂŸnecker Heimatforscher.

 

„Drachentöter“ vor der Auslieferung; Foto: Stiftung Kunstgussmuseum Lauchhammer, Archiv

 


 

Erzengel Michael

Erzengel Michael wird im Christentum, im Judentum und im Islam verehrt. Er gilt als Schutzpatron Deutschlands und der Soldaten. Oft wird er mit Schwert oder Speer dargestellt, wie der den Satan oder Teufel in Gestalt eines Drachen bezwingt. Er ist der „oberste HeerfĂŒhrer der Streitmacht des Herrn“.

 

Albrecht DĂŒrer „Höllensturz“; ca. 1500, Holzschnitt, National Gallery of Art Washington DC 

 


Antje BrÀuer