Leopold Armbruster: Amazone


Leopold Armbruster wurde am 06. Juni 1862 in Rippoldsau/Baden geboren. Er studierte zuerst an der Akademie in Karlsruhe, sp├Ąter an der Dresdener Akademie unter Ernst Julius H├Ąhnel und Johannes Schilling. Anschlie├čend arbeitete er im Atelier von Schilling und war u.a. an der Ausf├╝hrung des Niederwalddenkmals bei R├╝desheim beteiligt. Seit 1892 arbeitete er als freischaffender Bildhauer in Dresden. Er schuf bauplastische Arbeiten vor allem f├╝r Dresden, aber auch in Chemnitz, Hamburg und G├Ârlitz sind seine Werke zu finden. Viel beachtet war seine Kopie des Parthenonfrieses f├╝r das heutige Puschkin-Museum in Moskau.
Armbruster ist bis 1935 in Dresden nachweisbar, m├Âglicherweise lebte er danach in Baden-Baden. Sein Todesdatum und Sterbeort sind unbekannt.


Das Modell der Amazone im Kunstgussmuseum

In Kunstgussmuseum befindet sich das lebensgro├če Gipsmodell einer verwundeten Amazone. Die Kriegerin h├Ąlt in der der linken Hand einen Speer, mit der rechten Hand versucht sie einen Pfeil aus ihrem rechten Unterschenkel zu entfernen. Das Modell ist stark besch├Ądigt und die Ausdruckskraft der antikisierend gearbeiteten Statue ist kaum mehr zu erkennen: beide Beine sind an den Knien gebrochen, nur der rechte Fu├č und Unterschenkel sind erhalten. Auch beide Arme sind in Schulterh├Âhe gebrochen, beide erhalten. Der Kopf war einzeln gearbeitet und ist vollst├Ąndig erhalten.


Abb. 1: Modell der Amazone im Kunstgussmuseum
(Foto: Tino Winkelmann, KGML, 2018)


Die Gie├čerei Lauchhammer hat das Modell der Amazone von Armbruster am 07. Februar 1917 unter der Bezeichnung ÔÇ×Verwundete AmazoneÔÇť, angekauft. Der K├╝nstler erhielt 1.000 Mark zuz├╝glich 20% vom Verkaufserl├Âs f├╝r jedes verkaufte Exemplar. Es sind jedoch keine Verkaufszahlen ├╝berliefert.

In den Bildguss-Katalogen wurde die Amazone in den in den Jahren 1927 bis 1938 in den Gr├Â├čen 26cm, 66cm und 139cm angeboten.


Abb. 2: Abbildung der Amazone in dem Bildguss-Katalog 1929
(Lauchhammer Bildguss Gs5, 1929, S. 95)


Im Kunsthandel sind Abg├╝sse der Amazone kaum zu finden.
2015 wurde im Kunstauktionshaus Schloss Ahlden ein moderner, in der Gie├čerei Lauchhammer gegossener, 178cm gro├čer Nachguss der Amazone in Bronze verkauft.


Abb. 3: Moderner Abguss der Amazone der Gie├čerei Lauchhammer
(Foto: Kunstauktionshaus Schloss Ahlden GmbH, Auktion 163 (12.09.2015))


Amazonen in der Antike und der Neuzeit

Bereits in den fr├╝hesten griechischen Mythen sind Amazonen als weibliche Kriegerinnen beschrieben, hervorragende Reiterinnen, die erfolgreich mit dem Bogen k├Ąmpften und ÔÇ×m├ĄnnergleichÔÇť in den Kampf zogen. Ihr Lebensraum wurde au├čerhalb der damals bekannten antiken Welt, n├Ârdlich des Schwarzen Meeres, in den Steppen Kleinasiens, verortet.
In der griechischen Kunst sind Amazonen seit dem 6. Jh. v. Chr. als wagemutige K├Ąmpferinnen und Reiterkriegerinnen dargestellt worden. Ihre typische Kleidung bestand aus einem kurzen Chiton, der oft die rechte Brust unbedeckt l├Ąsst.
Die K├╝nstler des ausgehenden 18. Jahrhunderts entdeckten das antike Motiv der Amazone wieder. Anfangs waren die Amazonen noch entsprechend der antiken Tradition mit einem kurzen Gewand bekleidet und zeigten nur eine unbedeckte Brust. Seit der 2. H├Ąlfte des 19. Jahrhunderts wurden sie zunehmend auch als g├Ąnzlich unbekleidete Kriegerin / Reiterin zu Pferd dargestellt. Die Spannung zwischen dem Reiz der kriegerischen Attribute und der unrealistischen Nacktheit wird zunehmend dramatisch ausgestaltet.

Die Darstellung der nur mit einem um den rechten Oberschenkel geschlungenem Tuch ÔÇ×bekleidetenÔÇť jedoch kriegerisch behelmten Amazone von Armbruster zeigt diese Tendenz in hervorragender Weise.

Nicola V├Âsgen