Walter Lerche: Kinder mit Fisch


Walter Lerche wurde am 26. August 1905 in Berlin-Friedrichshagen geboren. Nach einer Ausbildung zum Holz- und Steinbildhauer sowie Elfenbeinschnitzer studierte er acht Jahre an der Berliner Kunstgewerbeschule. Dieser Zeit folgte noch ein kurzes Studium an der Hochschule fĂŒr Bildende KĂŒnste Berlin. Seit 1940 war Lerche Mitglied des Vereins Berliner KĂŒnstler. Von 1940 bis 1945 war er im Kriegsdienst. Walter Lerche beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen und war auch mit Werken auf den Großen Kunstausstellungen in Berlin und MĂŒnchen vertreten. Seine bevorzugten Materialien waren Stein und Bronze. Er arbeitete meist mit der Bildgießerei Seiler in Schöneiche zusammen.  Walter Lerche starb am 9. Dezember 1990 in seinem Haus am Goldmannpark in Berlin-Friedrichshagen.


Kinder mit Hecht

Die Brunnengruppe „Kinder mit Hecht“ oder auch „Kinder mit Fisch“ befindet sich seit dem 11. Dezember 2000 in Lauchhammer-Mitte an der Ecke Dietrich-Heßmer-Platz zur Kleinleipischer Straße. Es ist der zweite Standort des Brunnens. Er wurde ursprĂŒnglich auf dem Platz vor dem ehemaligen Wohn- und GeschĂ€ftshaus „Roter Ochse“ aufgestellt. Er hatte eine andere Form. Ein etwa zwei bis drei Meter im Durchmesser großes flaches Becken, außen und innen mit Fliesen verkleidet und mit einer, nach außen gebogenen schmiedeeisernen Umrandung umgeben, die direkt am Beckenrand befestigt war. Im Beckenrand integriert war ein aus Granit gemauerter Sockel, auf dem die Bronzeplastik von Lerche stand.

Der Brunnen am alten Standort vor dem „Roten Ochsen“; Foto: Wolfgang Miertzsch (Kopie)

Die Anlage des neuen Brunnens beruht aus einer Mischung von zwei EntwĂŒrfen. Als Konstante war die Figurengruppe vorgegeben. Der Brunnen ist rund und aus mehreren Sandsteinblöcken mit einem wellenförmigen Rand gearbeitet. Zum Brunnen fĂŒhren zwei flache Stufen. Der Sockel der Plastik ist an den Brunnenrand angefĂŒgt. Der Sandstein soll bereits seit der ersten Inbetriebnahme nicht vollstĂ€ndig wasserdicht sein.

Brunnen am neuen Standort Dietrich-Heßmer-Platz; Foto: Antje BrĂ€uer 2022

Ein MĂ€dchen mit Pferdeschwanz und ein Junge, der kleiner ist als sie, halten einen Fisch, sodass das Fischmaul Richtung Becken zeigt und als Wasserspeier dient. WĂ€hrend das MĂ€dchen sich nach hinten beugt, hĂ€lt sie nur leicht den Schwanz des Fisches. Der Junge umgreift mit ganzer Kraft und beiden Armen den Rumpf des Fisches und beugt sich dabei nach vorn. Die Beine beider Kinder sind in dynamischer Bewegung, sodass der Eindruck entsteht, die beiden laufen mit dem gerade gefangenen Fisch zum Wasser. Die keilförmige, nach vorn dĂŒnner werdende Plinthe unterstĂŒtzt formal die Richtung der Bewegung. An der Seite der Plinthe befindet sich die Signatur „Walter Lerche“. Es ist kein Gießereizeichen vermerkt. Beide Figuren sind nackt. Besonders ihre Gesichter und die rundliche Modellierung von Beinen und Armen erinnern an Putten der Barockzeit. Die Kinder sind ganz im Spiel vertieft und strahlen eine fröhliche, unbeschwerte NaivitĂ€t aus. Das Niedliche ihres Tuns wird durch die narrative Thematik unterstĂŒtzt.

Die Brunnenplastik „Kinder mit Hecht“; Foto: Antje BrĂ€uer 2022

Die Plastik ist 1,45 Meter hoch, 1,29 Meter lang und 0,6 Meter breit. Sie wiegt 319 Kilogramm. Sie wurde erstmals 1962 in der Kunstgießerei Lauchhammer gegossen. Der erste Guss befindet sich seit 1963 im Tierpark Berlin an der inzwischen trocken gelegten „Plansche“, hier mit der KĂŒnstlersignatur und dem Gießereizeichen „VEB Lauchhammerwerk“. Die Kosten beliefen sich zu dieser Zeit auf 6540 Mark Deutscher Nationen. Die Plastik fĂŒr die Stadt Lauchhammer ist vermutlich etwas spĂ€ter gegossen worden. Im Archiv des Kunstgussmuseums gibt es einen Vermerk, dass die Plastik fĂŒr den Tierpark Berlin und fĂŒr England gegossen wurde. Ob ein weiterer Guss in England existiert oder ob es sich hierbei um den Guss handelt, der nun in Lauchammer steht, ist nicht nachweisbar. Die Plastik ist in gutem Zustand und hat eine kupfergrĂŒne Patina. Der Brunnen ist in 2022 in Betrieb.

Die Brunnenplastik an der Plansche im Tierpark Berlin um 1970; Foto: Stiftung Kunstgussmuseum Lauchhammer, Archiv


Kuratorin Antje BrÀuer