Demeter, genannt „Große Herkulanerin“

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Kore, genannt „Kleine Herkulanerin“

Die antike römische Marmorfigur der Demeter stand zusammen mit der Kore im antiken Theater von Herculaneum. Einer der antiken Städte am Golf von Neapel, die wie Pompeji und Stabiae beim Ausbruch des Vesuvs in der zweiten Hälfte des Jahres 79 untergegangen ist.

Giovanni Battista Piranesi (1720 – 1778)

Die Entdeckung

Schon im 16. Jh. wurden einige Skulpturen und Inschriften von Herculaneum gefunden. Doch erst beim Ausschachten eines Brunnens im Jahre 1709 stieß ein Bauer zufällig auf die Reste des Theaters von Herculaneum.
Der österreichische Befehlshaber der Armee in Neapel, Herzog von Elbeuf, kaufte nach diesem Fund das Areal. In den folgenden Jahren ließ er Ausgrabungen durch heute ungewöhnlichen Stollenvortrieb vornehmen. Mit dieser Methode gelang es ihm zwischen ca. 1706 – 1712, neun Statuen zu bergen, darunter die Demeter und die Kore.
Im Anschluss schenkte Herzog von Elbeuf dem Prinzen Eugen in Wien die Skulpturen. Nach dessen Ableben gelangten sie 1736 nach Dresden in den Besitz von August dem Starken.

Johann Joachim Winckelmann von Raphael Mengs von 1755

Johann Joachim Winckelmann (1717- 1768)

Winckelmann gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und der Kunstgeschichte. Er trat mit kunsthistorischen Methoden der Kunst des Altertums näher. Mit seinen 3 Werken „Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“ , „Sendschreiben über die Gedanken Von der Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst“ sowie „Erläuterung der Gedanken Von der Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst; und Beantwortung des Sendschreibens über diese Gedanken“ kam er zu der Feststellung:

„Der einzige Weg für uns, groß, ja, wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden, ist die Nachahmung der Alten“.¹

Damit setzte Winckelmann Maßstäbe im ästhetischen Befinden jener Zeit und gilt folglich als geistiger Begründer des Klassizismus im deutschsprachigen Raum.

Detlev Carl von Einsiedel 1737 – 1810

Mit der Begeisterung für die „Alten“ im aufkommenden Klassizismus entstanden unter der Leitung von Detlev Carl von Einsiedel Eisengüsse nach antiken Skulpturen in Lauchhammer. Diese waren in ihrer technischen Erfindung wegweisend und einzigartig. Zusätzlich entsprachen sie dem höfischen Zeitgeschmack.
Als Vorlage dienten die Originale am Sächsischen Hof in Dresden von denen Einsiedel Gipskopien für Lauchhammer anfertigen ließ. Einige Originale befinden sich heute im Schaudepot des Museums.

Literatur

¹ Zitat: Johann Joachim Winckelmann: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst. 2. vermehrte Auflage. Waltherische Handlung, Dresden und Leipzig 1756, S. 2.

H. Remane, S. Fischer (Hrsg.): Das Eisenwerk Lauchhammer unter den Grafen von Einsiedel. Festschrift 20 Jahre Kunstgussmuseum Lauchhammer 2013, Freiberg 2013.